Zum Tag der indigenen Völker

Indigene Völker spielen eine zentrale Rolle für den Schutz des Regenwaldes – und sind gleichzeitig selbst durch dessen Zerstörung sowie durch die Missachtung ihrer Rechte bedroht. Zum internationalen Tag der indigenen Völker am 9. August zeigen wir in unserem Blogartikel, warum ihr Schutz untrennbar mit dem Schutz des Regenwaldes und des Klimas verbunden ist.

Indigene Völker: Begriff und Bevölkerungsstatistik

Der Begriff indigene Völker – ursprünglich als Bezeichnung für alle Nachkommen der vorkolumbianischen Bevölkerung des amerikanischen Doppelkontinents benutzt – wird inzwischen als Sammelbegriff für die Urbevölkerung aller Kontinente verwendet. Der Begriff Indigene hat sich auch als juristisch-institutioneller Begriff etabliert. So gibt es mittlerweile mehrere UNO-Arbeitsgruppen und Organe, welche sich für die Anliegen der indigenen Völker einsetzen (z.B. der Expertenrat für die Rechte indigener Völker, der UN-Sonderberichterstatter für die Rechte indigener Völker und das Ständige Forum für indigene Angelegenheiten).

Die meisten Schätzungen zur Anzahl der Indigenen weltweit gehen davon aus, dass ca. 4 Prozent der Weltbevölkerung als indigen bezeichnet werden kann. [1, 2] Davon leben ca. 50 Millionen der Indigenen ausschliesslich im Regenwald und sind direkt von diesem Ökosystem abhängig. [3] Die stark bis sehr stark vom Regenwald abhänigen Indigenen leben u.a. in Neuguinea (höchste Dichte an indigenen Völkern weltweit), im Amazonasgebiet, im Kongo-Becken inkl. Küste Westafrikas und in Südostasien/Indonesien. [4]

Die Yanomami sind das grösste, relativ isoliert lebende indigene Volk Südamerikas. Sie leben im Regenwald und in den Bergen Nordbrasiliens und Südvenezuelas. © Survival International

Rechte indigener Völker

Das Recht von Indigenen auf Arbeit, Bildung, Land und soziale Sicherheit ist erstmals 1957 im «Übereinkommen über Eingeborene und in Stämmen lebende Vöker» erwähnt. Dies jedoch mit keiner ernst zu nehmender Intention, die indigenen Völker bzw. ihre Kultur und Traditionen zu erhalten. Die Mehrheit der Staaten hat in diesem Übereinkommen eine Übergangslösung gesehen, für eine Zeitspanne, während derer sich die indigene Bevölkerung vollständig assimilieren sollte (Assimilation bezeichnet in der Soziologie die Angleichung einer gesellschaftlichen Gruppe an eine andere unter Aufgabe der eigenen Kultur). [5]

Dies änderte sich ab den 1970-er Jahren im Kontext aufkommender Bürgerrechtsbewegungen. Daraufhin wurde die ILO-Konvention 169 im Jahr 1989 beschlossen und gilt heute als weltweit einziges rechtlich bindendes Abkommen zum Schutz der Rechte Indigener und in Stämmen lebender Völker [5]. Jedoch haben bis 2025 nur 24 Staaten weltweit das Übereinkommen offiziel ratifiziert. Nicht dazu gehört die Schweiz, welche jedoch durch ihre globalen Unternehmen ebenfalls in Ländern mit indigenen Territorien aktiv ist. [6] Die ILO-Konvention wurde 2007 durch die nicht bindende UN-Erklärung zu den Rechten indigener Völker ergänzt. [1] 

Die ILO-Konvention und die UN-Erklärung können als wichtige Meilensteine für die kollektiven Rechte der indigenen Völker bezeichnet werden. Dazu gehören territoriale Rechte (Land, Ressourcen), das Selbstbestimmungsrecht, Anrecht auf Mitwirkung und Schutz (Diskriminierung, territoriale Integrität) und Respektierung traditioneller Bräuche. [1, 6] Ein weiteres zentrales Element davon ist auch die Selbstidentifikation, sprich als indigen sollen nur Völker bezeichnet werde, welche dies für sich selber beanspruchen. [5]

Auch verschiedene nationale Verfassungen haben inzwischen Artikel integriert, welche die Rechte der Indigenen festhalten und schützen. 

Warum Indigene schützen?

Bedrohungen für indigene Gemeinschaften

Viele indigene Gemeinschaften bleiben stark marginalisiert und erhalten wenig Unterstützung durch ihre Regierungen. Bis heute ist die Situation der indigenen Völker häufig geprägt von Schwierigkeiten hinsichtlich einer Durchsetzung und Verwirklichung ihrer Ansprüche und Rechte. Oft werden beispielsweise die indigenen Landrechte durch expandierende Landwirtschaftsbetriebe oder Bergbau-/Infrastrukturprojekte missachtet, welche damit auch aktives «land grabbing» betreiben. Hinzu kommen illegaler Holzeinschlag in indigenen Territorien, das ungestrafte Eindringen von Wilderern in Schutzgebiete sowie die Tötung indigener und nicht-indigener Aktivist:innen, deren Fälle in der Folge nicht juristisch aufgeklärt werden. [1]

Da indigene Völker in ihrer Existenz unmittelbar von den Ressourcen des Regenwalds abhängen, gefährden dessen Schädigung oder Zerstörung ihre Lebensgrundlage grundlegend. Verschärft wird dieser Druck – neben der Missachtung ihrer Rechte – durch den Klimawandel, dessen Wetterextreme sich infolge des Waldverlusts zusätzlich verstärken. [4]

Indigene als Hüter des Regenwaldes

Die Präsenz einer starken indigenen Bevölkerung ist auch aus Sicht des Regenwaldschutzes zentral. Verschiedene Studien bestätigen:

  • Die Entwaldungsrate ist in indigenen Territorien oft tiefer als in staatlichen Schutzgebieten. Eine Studie bezifferte den Verlust intakter Regenwälder im Zeitraum zwischen 2000 bis 2016 auf 4.9% in indigenen Territorien, während im gleichen Zeitraum ein Verlust von 11.2% an intakten Regenwäldern in nicht indigenen Gebieten gemessen worden ist. Der Schutz der indigenen Bevölkerung inklusive ihrer Territorien schützt den Regenwald also in der Regel in gleichem Masse, teilweise sogar besser, als staatlich geschaffene, behördlich überwachte Schutzgebiete. [7, 8, 9]
  • Im Durchschnitt sind die Regenwälder in indigenen Territorien bessere Kohlenstoffsenken. [7, 10]
  • In indigenen Territorien ist die Biodiversität häufig besonders hoch – so hat beispielsweise eine brasilianische Studie ergeben, dass die untersuchten indigenen Territorien mehr Arten enthielten als die staatlich kontrollierten Schutzgebiete. [7, 11]

Yanomami-Frauen und -Kinder beim Sammeln von Blättern, die sie zu Timbó verarbeiten, einem Stoff, den sie zum Fischen verwenden. © Survival International

Unsere Haltung

GREEN BOOTS fordert, dass die kollektiven Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften auf ihr traditionelles Land und dessen Ressourcen endlich als das anerkannt werden, was sie sind: ein grundlegendes Menschenrecht. Ihr Umgang mit der Natur ist keine Randnotiz, sondern eine globale Umweltleistung und die Verwaltung ihrer Territorien gehört in ihre eigenen Hände. Ihr Wirken verdient nicht nur Anerkennung, sondern politischen Schutz und finanzielle Unterstützung.

Deshalb arbeiten wir in unseren Projekten direkt mit indigenen Partner:innen zusammen: für den Schutz ihrer Rechte, für den Schutz des Regenwaldes und für den Schutz des Klimas.

Mehr zu unseren Projekten mit Indigenen

Quellen

[1] NMRZ. 2018. Indigenen Völker und Ihre Rechte - Zur aktuellen Situation der indigenen Völker in Lateinamerika

[2] https://www.ipacc.org.za, aufgerufen am 06.08.2026

[3] https://www.earthday.org/honoring-indigenous-peoples-and-local-communities-on-world-rainforest-day/, aufgerufen am 06.08.2026

[4] https://www.regenwald-schuetzen.org/regenwald-wissen/regenwaldschutz/was-sind-indigene-voelker, aufgerufen am 06.08.2026

[5] https://www.amnesty.ch/de/magazin-amnesty/2022/2022-3/am-anfang-war-das-land, aufgerufen am 06.08.2026

[6] Wikipedia, aufgerufen am 06.08.2026

[7] FAO and FILAC. 2021. Forest governance by indigenous and tribal peoples. An opportunity for climate action in Latin America and the Caribbean. Santiago. FAO. https://doi.org/10.4060/cb2953en, aufgerufen am 06.08.2026

[8) L. Porter-Bolland et. al. (2012): Community managed forests and forest protected areas: An assessment of their conservation effectiveness across the tropics, Forest Ecology and Management, Volume 268, 2012, Pages 6-17, ISSN 0378-1127, https://doi.org/10.1016/j.foreco.2011.05.034, aufgerufen am 06.08.2026

[9] Julia E Fa et. al. (2020): Importance of Indigenous Peoples’ lands for the conservation of Intact Forest Landscapes Front Ecol Environ 2020; 18(3): 135–140, doi:10.1002/fee.2148, aufgerufen am 06.08.2026

[10] W.S. Walker et. al. (2020): The role of forest conversion, degradation, and disturbance in the carbon dynamics of Amazon indigenous territories and protected areas, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 117 (6) 3015-3025, https://doi.org/10.1073/pnas.1913321117, aufgerufen am 06.08.2026

[11] R. Schuster et. al. (2019): Vertebrate biodiversity on indigenous-managed lands in Australia, Brazil, and Canada equals that in protected areas, Environmental Science & Policy, Volume 101, 2019, Pages 1-6, ISSN 1462-9011, https://doi.org/10.1016/j.envsci.2019.07.002, aufgerufen am 06.08.2026