Welt-Malaria-Tag

Malaria tötet jede Minute einen Menschen, meist Kinder unter fünf Jahren. Obwohl behandelbar, gab es 2024 rund 282 Millionen Erkrankungen. Weniger bekannt ist: Malaria ist auch eine Frage des Waldschutzes. Zum Welt-Malaria-Tag am 25. April beleuchten wir diesen Zusammenhang, der uns bei GREEN BOOTS direkt betrifft.

Ein Tag, der Aufmerksamkeit fordert

Der Welt-Malaria-Tag wird seit 2008 jährlich am 25. April begangen. Er geht zurück auf den Afrika-Malaria-Tag, den afrikanische Länder seit 2001 begingen, und wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO auf globale Ebene gehoben. [3] Sein Ziel: Bewusstsein schaffen, Fortschritte sichtbar machen und politischen Willen mobilisieren.

Denn Fortschritte gibt es durchaus: Seit 2000 wurden weltweit schätzungsweise 2,3 Milliarden Malaria-Erkrankungen verhindert und 14 Millionen Todesfälle abgewendet. [2] Gleichzeitig stagniert der Fortschritt seit einigen Jahren, und neue Erkenntnisse zeigen, dass ein unterschätzter Treiber der Ausbreitung mitten in unserer Arbeit liegt: die Entwaldung.

Der Wald als Schutzschild

Malaria wird durch den Stich der weiblichen Anopheles-Mücke übertragen. Was viele nicht wissen: Diese Mücke gedeiht besonders gut in fragmentierten Übergangslandschaften, wo Wald teilweise gerodet wurde. Stehende Gewässer, offene Bodenflächen und erhöhte Temperaturen schaffen ideale Brutbedingungen, während der verbleibende Waldrand den Mücken zusätzlichen Lebensraum bietet. [4]

Warum ist das so? Im intakten Regenwald ist die Population der Anopheles darlingi von Natur aus reguliert: Andere Mückenarten, natürliche Fressfeinde und das Fehlen geeigneter Brutplätze halten sie in einem ökologischen Gleichgewicht. Wird der Wald gerodet, bricht dieses Gleichgewicht zusammen. Offene, sonnenbeschienene Wasserflächen entstehen, oft in den Fahrspuren schwerer Maschinen, die den Boden verdichten und kleine Tümpel hinterlassen – ideale Bedingungen für die Brut der Mücke. Ohne ihre natürlichen Konkurrenten und Fressfeinde kann sich ihre Population nun ungehindert ausbreiten. [5]

Eine Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health hat diesen Zusammenhang erstmals auf monatlicher Basis quantifiziert. Die Ergebnisse sind eindeutig: Eine monatliche Zunahme der Entwaldung um 1% war mit einem Anstieg der Malaria-Fälle um 6,3% im folgenden Monat verbunden. [6] Dieser Zeitraum von einem Monat ist biologisch plausibel: Unter günstigen Bedingungen kann die Mücke ihren Lebenszyklus in nur 10 bis 14 Tagen abschliessen – ist sie bereits in einem gerodeten Gebiet präsent, kann sich ihre Population also innerhalb weniger Wochen explosionsartig vermehren. [6] Frühere Studien, die nur mit jährlichen Daten arbeiteten, hatten diesen Zusammenhang oft nicht erfassen können, weil sie die saisonalen Schwankungen der Krankheitsübertragung ausblendeten.

Besonders ausgeprägt ist der Effekt in Gebieten mit noch hohem Waldanteil, also dort, wo Rodungen erstmals in bisher intakten Wald eingreifen. Bereits stark abgeholzte Regionen sind weniger betroffen, was zeigt, dass nicht die Abholzung an sich, sondern der Übergang vom intakten zum fragmentierten Wald das grösste Risiko darstellt. [6] Besonders betroffen sind indigene Gemeinschaften und Bergbauregionen im Amazonas. Verlassene Minen hinterlassen dabei dichte Brutgewässer, die noch lange nach dem Ende der Bergbauaktivitäten als Malaria-Hotspots wirken und umliegende Gemeinschaften gefährden. [6] Das sind keine abstrakten Zahlen. Dahinter stehen Menschen, die dort leben, wo Wald gerodet wird, oft ohne es selbst entschieden zu haben.

Indigene Vertreter:innen aus Sarayaku, Ecuador, an der UN-Klimakonferenz COP21 in Paris (© Climate Alliance Org / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Eine Wechselwirkung, die nachdenklich macht

Die Forschung zeigt auch eine weniger offensichtliche Seite des Zusammenhangs: Entwaldung im Amazonasgebiet fördert die Übertragung von Malaria, während eine hohe Malariabelastung wiederum dazu führen kann, dass weniger Wald gerodet wird. [7] Wo viele Menschen krank sind, sinkt die Arbeitskraft und damit auch die Kapazität für weitere Abholzung.

Diese Wechselwirkung verdeutlicht, wie eng menschliche Gesundheit und Ökosysteme miteinander verbunden sind. Intakte Wälder schützen nicht nur das Klima und die Biodiversität, sie schützen auch die Menschen, die in und um sie herum leben. Eine Studie, die zwischen 2001 und 2019 fast 28,5 Millionen Krankheitsfälle im Amazonasgebiet erfasste, kam zu einem bemerkenswerten Befund: In Gebieten mit mehr als 40% Waldanteil, insbesondere in rechtlich anerkannten indigenen Territorien, war das Risiko für Malaria und andere durch Insekten übertragene Krankheiten deutlich geringer. Intakte, zusammenhängende Wälder wirken also nicht nur als Klimapuffer, sondern auch als Gesundheitsschutz. Fragmentierter Wald hingegen, mit vielen offenen Waldrändern, kann das Gegenteil bewirken. [8]

Satellitenbild des Amazonas-Regenwaldes mit sichtbaren Entwaldungsflächen (© Alexander Gerst / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)

Waldschutz ist Gesundheitsschutz

Die Konsequenz liegt auf der Hand, auch wenn sie in der globalen Gesundheitsdebatte noch zu selten gezogen wird: Wer Malaria wirksam bekämpfen will, muss auch Entwaldung bekämpfen. Die Harvard-Forscher:innen empfehlen ausdrücklich, Echtzeit-Entwaldungsalarme in nationale Malaria-Bekämpfungsprogramme zu integrieren, um dort schnell eingreifen zu können, wo neues Risiko entsteht. [4] Der Schutz von Wäldern und die Stärkung der Rechte indigener Gemeinschaften sind demnach keine alternativen Massnahmen zum klassischen Gesundheitsschutz, sondern ein integraler Bestandteil davon.

Gesunde Wälder sind eine Voraussetzung für das Wohlergehen von Millionen Menschen. Indigene Gemeinschaften wissen das seit Generationen. Die Wissenschaft bestätigt es zunehmend. Und der Welt-Malaria-Tag erinnert uns daran, dass die Antworten auf globale Gesundheitskrisen manchmal nicht nur in Labors und Krankenhäusern zu finden sind, sondern auch im Schutz dessen, was noch steht.

Was du tun kannst

Malaria ist vermeidbar und behandelbar, und der Schutz der Regenwälder ist ein Teil dieser Lösung. Wie auch du einen Beitrag leisten kannst, erfährst du hier: www.green-boots.ch/was-du-tun-kannst.html

 

Autor: Robert Delilkhan, GREEN BOOTS Freiwilliger

Literaturverzeichnis

[1] WHO, World Malaria Day 2025, https://www.afro.who.int/countries/south-africa/news/world-malaria-day-25-april-2025 

[2] WHO, World Malaria Report 2025, https://www.who.int/teams/global-malaria-programme/reports/world-malaria-report-2025 

[3] WHO, World Malaria Day 2024, https://www.who.int/campaigns/world-malaria-day/2024  

[4] Ferreira et al., Malaria transmission in landscapes with varying deforestation levels and timelines in the Amazon: a longitudinal spatiotemporal study, Scientific Reports, 2021, https://www.nature.com/articles/s41598-021-85890-3 – aufgerufen am 12.04.2026

[6] Arisco N.J., Peterka C., Diniz C. et al., Ecological change increases malaria risk in the Brazilian Amazon, Proceedings of the National Academy of Sciences, 2024, https://doi.org/10.1073/pnas.2409583121 

[7] McDonald A., Mordecai E.A., Amazon deforestation drives malaria transmission, and malaria burden reduces forest clearing, Proceedings of the National Academy of Sciences, 2019, https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1905315116 – aufgerufen am 12.04.2026

[5] Olson S. et al., Amazonien: Abholzung fördert Malaria, Spektrum der Wissenschaft, 2010, https://www.spektrum.de/news/abholzung-foerdert-malaria/1036308  

[8] Barreto J.R., Palmeirim A.F., Sangermano F. et al., Indigenous Territories can safeguard human health depending on the landscape structure and legal status, Communications Earth & Environment, 2025, https://doi.org/10.1038/s43247-025-02620-7